# Das Paradoxon intrinsischer Motivation Wieso sind wir so? Oder zumindest wieso bin ich so? Schon mal erlebt, dass Du etwas Produktives erledigen wolltest, aber dann genau zur Erledigung eben dieses Etwas aufgefordert wirst und dann jegliche Motivation verlierst dieses Etwas zu erledigen? Diese Frage liest sich genau so gut, wie dieses Paradoxon für den Menschen nützlich ist. Bei der Motivation kann zwischen extrinsischer und intrinsischer Motivation unterschieden werden. Dabei ist die intrinsische stets die mächtigere der beiden und kann als den Eigenwillen oder das Interesse, über welches wir ohne externe Faktoren verfügen, bezeichnet werden. Die extrinsische Motivation hingegen setzt sich aus besagten externen Faktoren zusammen, Druck oder sogar Zwang durch andere Personen, Systeme und Institutionen. Wir sprechen hier aber von Formen der Motivation, was also bedeuten sollte, dass sich beide positiv auf den Eigenwillen etwas zu erledigen auswirken sollten. In der logischen Schlussfolgerung würde das also bedeuten, dass eine Kombination aus beiden Motivationsformen die grösste Produktivität ergeben. Es handelt sich bei diesem Gedankengang um simpelste Mathematik, denn unabhängig davon, ob wir bei dieser Operation von Addition oder Multiplikation ausgehen können, das Resultat sollte stets ein positives sein. Dass diese Regeln hier Anwendung finden ist nicht aus der Luft gegriffen, denn Mathematik wird bekanntlich als “Sprache der Natur” oder gar “des Universums” bezeichnet. Die empirischen Daten widersprechen leider meiner mathematisch fundierten These und beweisen das Gegenteil. An diesem Punkt müsste ich nun diese revolutionären Daten präsentieren. Leider habe ich weder Excel-Tabellen oder Kuchendiagramme zu bieten, noch handelt es sich bei diesem kläglichen Versuch eines Essays um eine wissenschaftliche Arbeit. Was ich zu bieten habe, ist noch viel besser, nämlich Beispiele, die zumindest die “Generation Anglizismus” als “relatable” bezeichnen würde. Wolltest Du schon mal dein Zimmer aufräumen, aber wurdest dann von deiner Mutter darauf hingewiesen, eben dies endlich zu tun? Vielleicht hat sie den Befehl noch mit schmeichelhaften Betitelungen wie “Saustall” und Drohungen wie “Handyverbot” ausgeschmückt. Hast Du früher gerne Bücher gelesen, aber wurdest dann in der Schule gezwungen, reihenweise “literarische Meisterwerke” zu lesen? Hattest Du früher ein grosses Interesse an den alten Römern, aber musstest dann für eine Prüfung das Todesdatum von Julius Cäsar wissen? Wolltest Du schon mal mit Staubsaugen beginnen, aber wurdest dann durch deine:n Partner:in gescholten, weil Du wenig zum Haushalt beiträgst. Ich persönlich wollte mein Zimmer nicht mehr aufräumen, habe seit der dritten Biedermeiernovelle keine Lust mehr, ein Buch zu lesen, weiss nicht mehr, wann der römische Senat zum Shish-Spiess-Workshop wurde und habe mich lieber gestritten als die Wohnung gesaugt. Somit ist klar; die Motivationsformen verhalten sich alles andere als kumulativ, die extrinsische Motivation ist der Tod der intrinsischen, die Prüfung, der Untergang der Wissbegierde, die Schule, das Verderben des Interesses und Mathematik ist höchstens die Sprache realitätsferner Theorien.